Sa. den 27.6. los:
Um 13h ging es vom Bahnhof in Bozen aus los. Jan, Peter, Maggie, Martina und ich haben uns mit Bergführer Josef getroffen, um dann direkt mit Josefs Bus nach Kurzras, unserem Ausgangsort im Schnalstal zu fahren. In Kurzras angekommen kam noch Claudia, die Freundin von Josef, hinzu. So sind wir zu siebt zur Schönen Aussicht-Hütte aufgestiegen und haben uns alle ersteinmal kennengelernt. Zwei Stunden später waren wir dann oben um den weiteren Verlauf der bevorstehenden 6 Tage zu besprechen. Die Stimmung war gut und die Vorfreude riesig. Wenn noch das Wetter mitspielen würde konnte es allem Anschein nach nur eine perfekte Hochtourenwoche werden.
So. der 28.6.
Frühes Aufstehen um 7h war angesagt, schließlich lag ein langer Gletschertag vor uns in dem nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf stark beansprucht werden sollte. Was wir nicht alles gelernt haben: Anseilen am Gletscher mit den verschiedensten Knoten(die für die Leute ohne Klettererfahrung schon eine Wissenschaft für sich waren), gehen mit Steigeisen, Stände in Eis und Firn bauen, sowie die Lose Rolle zur Spaltenbergung. Das war für den ersten Tag schon allerhand und so rauchte der Kopf abends beim leckeren 4-Gänge Menü noch gewaltig und so mancher hatte beim Einschlafen noch Wörter wie Ankerstich, Achterknoten, Prusik, Bulin, Spierenstich,... in den Ohren.
Mo. der 29.6.
Gipfeltag! Heute stand endlich der erste Gipfel auf dem Programm! Von der Schönen Aussicht ging es auf die Fineilspitze (3514m) und weiter zur Similaunhütte. Angegeben war die Tour mit 6 Stunden Gehzeit, aber da wir natürlich auch heute noch einiges zu lernen und wiederholen hatten, wurden locker 8 Stunden daraus. Als wir früh um 7h von der Hütte gestartet sind war erstmal nichts von der Sonne zu sehen. Im Gegenteil, der Nebel hing tief und die Sicht war bescheiden. Ohne das Josef geholfen hätte waren unsere Orientierungsfähigkeiten zum ersten Mal gefragt. Mit Bravour sind wir unter Führung von Peter durch den Nebel navigiert und haben laut Josef "den besten Weg, den er je gegangen sei" gefunden! Kurze Zeit später hat sich der Nebel zum Glück verzogen und unsere beiden Seilschaften hatten freie Sicht auf die umliegenden 3000er. langsam aber stetig kamen wir voran und als es steiler wurde und die Spaltensturzgefahr geringer als die Absturzgefahr wurde,lernten wir eine neue Technik: das kurze Seil! In Abständen von ca 1,5m sind wir also die Steilflanken mit Stellen bis ca. 50 Grad Neigung in Richtung des Gipfelgrates gegangen. Wir waren doch alle ganz schön überrascht, wie steil und ausgesetzt es hier wurde!Schließlich war das doch ein Anfängerkurs! Aber auch diejenigen unter uns, die mit der Höhe und schmalen Graten Schwierigkeiten haben, sind über ihren Schatten gesprungen und haben das Gipfelkreuz souverän erreicht. Im Abstieg ist eine Sseilschaft dann den Ostgrat heruntergegangen, die andere etwas direkter nach Süden über Steile Schneehänge, bis wir uns an einem wunderschönen Gletschersee oberhalb der Ötzi-Fundstelle wiedergetroffen haben. Bis zur Similaunhütte war es jetzt zum Glück nicht mehr weit und die knurrenden Mägen wurden bald befriedigt. An der Hütte wurden dann noch von alllen fleißig Trockenübungen in Sachen Spaltenbergung geübt, bevor wir hundemüde schon gegen 21.30h ins Bett gefallen sind.
Di. der 30.6.
Schon um 5.45h klingelte der Wecker. Ein ca. 12-stündiges Programm lag vor uns. Das Beste zuerst: Der Similaun (3606m) lag in greifbarer Nähe vor uns. Nur 2 Stunden von der Similaunhütte entfernt liegt dieser herrliche Aussichtsgipfel. Der Aufstieg unter strahlender Sonne war purer Genuß! Obwohl uns die vergangenen Tage noch in den Beinen steckten war der Aufstieg über brettharten Firn gut zu bewältigen. Die Spaltensturzgefahr war nach dem schneereichen Winter noch sehr, sehr gering, da noch eine dicke und feste Schneeschicht die Spalten überdeckt. Nur hier und da ist man mal vereinzelt knöcheltief eingesunken. Kurz vor dem letzten steilaufschwung vor dem Gipfel, haben wir uns den Rucksäcken entledigt und konnten unbeschwert die letzten Meter aufsteigen. Wir waren erst die zweite Seilschaft des heutigen Tages am Gipfel und dank der herrlichen Sicht, konnte man in durchweg zufriedene Gesichter schauen! Nach einigen Fotos sind wir dann wieder in der bereits weicher gewordenen Spur abgestiegen und absichtlich in eine Spaltenzone gegangen, weil Josef uns mal bewusst das Gefühl geben wollte, wie es ist dort hineinzugeraten und wie man am besten wieder hgerausommt. Und siehe da, die Seilschaftsführende Maggie ist bei jedem Schritt über einer Spalte teilweise hüfttief eingesunken und konnte sich nur mit viel Mühe wieder befreien. Die Anspannung und die Angst vor einem Spaltensturz war jetzt jedem ins Gesicht geschrieben. Im Endeffekt ging aber alles harmlos über die Bühne und so konnten wir uns schon bald bei einem Teller Spaghetti in der Similaunhütte für den restlichen Tag stärken. Es ging wieder zurück zur Ötzi-Fundstelle und weiter zu einem überwächteten Steilstück, wo wo wir dann nochmals intensiv die Spalternbergung trainieren konnten. Hier machten sich dann erste Blessuren bemerkbar: Josef hatte total durchnässte Schuhe und musste sich die gefühllosen Zehen von Claudia wieder warm massieren lassen und ich hatte wegen einer zu hellen Brille Probleme mit den Augen. Total überreizt vom hellen Licht und Sonnencreme in den Augen habe ich kaum noch etwas gesehen, bis ich Josefs Gletscherbrille bekommen habe und sich der Zustand gebessert hat. Nach 2,5 Stunden üben ging es weiter um die Fineilspitze zu einem Klettersteig und über flachen Gletscher zurück zur Schönen Aussicht. Sichtlich geschafft und ausgehungert waren wir froh nach diesem langen Tag angekommen zu sein und uns ausruhen zu können. Sogar Josef, der Bergführer sagte er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie so schlecht gefühlt. Am nächsten Morgen sollten wir wissen warum...
Mi. der 1.7.
Am Vorabend hatten wir wegen der allgemeinen Erschöpfung ausgemacht nicht wie geplant auf die Weißkugel zu steigen, sondern auszuschlafen und einen intensiven Übungstag in der Nähe der Hütte einzulegen. Kurz nach dem Aufwachen um 8h kam dann das böse Erwachen. Josef hat die ganze Nacht kein Auge zugemacht, geplagt von Hustenanfällen und Atemnot! Sogar Blut hat er gespuckt. Nach Rücksprache mit unserer Ärztin Martina gab es keine andere Möglichkeit als Josef direkt ins nächste Krankenhaus bringen zu lassen, am besten mit dem Helikopter! Der Schock saß tief und nach dem gemeinsamen Frühstück machten wir aus den Kurs an einem anderen Termin fortzusetzten und die Bergrettung holte Joseph mit dem Skibob ab und brachte ihn nach Meran ins Krankenhaus. Josef hatte uns noch angeboten einen anderen Bergführer zu organisieren, aber nach den vergangenen Tagen, in denen wir Josef schon ins Herz geschlossen hatten, wollten wir uns auf keinen anderen Bergführer mehr einstellen. Also stiegen wir anderen ins Tal ab, fuhren nach Meran zum Krankenhaus um Martina abzuholen, die Josef begleitet hatte, und fuhren zurück nach Bozen um uns vom Schock und den Strapazen zu erholen. Nach einer Stärkung sind wir noch zum Schloß Sigmundskron gefahren um Reinhold Messners Mountain Museum zu besichtigen, welches für Bergsteiger auch sehr interessant ist. Am Abend hatten Jan, Martina und ich dann schon die nächste Hochtour zur Dreiherrenspitze für morgen geplant und nach Pizza und Bier ging es um Mitternacht ins Bett.
Do. der 2.7.
Nach 8 Stunden Schlaf und einem leckeren Frühstück bei Peter zu Hause, welches übrigens das gastfreundlichste Zuhause ist, in dem ich lange Zeit gewesen bin (danke nochmals an Peters Eltern!), ging es mit Jan ins Pustertal, um von dort mit Martina weiter ins Ahrntal zu fahren. Dort angekommen ging es weiter zur Lenkjöchelhütte, dem Ausgangspunkt zur Dreiherrenspitze. Das Wetter war den ganzen Tag gut, nur am späten Nachmittag gegen Ende des Zustiegs kamen vereinzelte Regentropfen herab und die Gipfel verschwanden hinter Wolken. Wir hofften, das es am nächsten Tag, wie es auch der Wetterbericht vorhergesagt hatte, besser würde.
Fr. der 3.7.
5h Aufstehen! Ja, denn der Tag sollte lang werden. 5 Stunden Aufstieg zum Gipfel und weitere 6 Stunden um wieder zum Auto ins Tal zu kommen. Leider hat schon der erste Blick aus dem Fenster anderes vermuten lassen. Alles Grau in Grau. Von Gipfeln keine Spur, stattdessen tiefhängende Wolken. Naja, aber die Hoffnung stirbt zuletzt und so sind wir um 6h von der Hütte aufgebrochen in der Hoffnung, das es vielleicht noch aufklaren würde. Weit gefehlt. Nach 2 Stunden Gehzeit hat es angefangen aus Kübeln zu schütten, dazu ein ungemütlicher Wind und eine Sicht unter 50m. Das waren nicht die Bedingungen, die wir Hochtourenneulinge brauchten um uns sicher in diesem unbekannten Gebiet zu bewegen. Schweren Herzens sind wir, der Vernunft folgend umgekehrt. Die Enttäuschung war groß. Wo schon drei Tage des Gletscherkurses weggefallen waren, wollten wir wenigstens noch einen Gipfel auf eigene Faust erreichen. Aber es hilft ja nichts. Also Rückzug und so schnell wie möglich wieder zurück zum Auto und die Sache abhaken. Am Auto angekommen war ich so kaputt, das ich gar nicht gewusst habe, wie ich den Gipfel an diesem Tag überhaupt geschafft hätte, selbst bei guten Bedingungen.
So ging also diese Woche in den Bergen für uns zu Ende. Wir hätten uns ein besseres Ende vorstellen können, auf der anderen Seite haben wir viel gelernt und schon jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe und die Beine erholt sind, freue ich mich auf die nächste Hochtour!
Ach ja, GUTE BESSERUNG JOSEF!
sehr schön, das heißt also wi rkönnen die weißkugel noch zusammen gehen ;)
AntwortenLöschenSehr richtig! Sag bescheid wann, bin dabei!
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