Sonntag, 30. August 2009

Fluchtkogel

Dieses Wochenende war langes Wochenende! Das war der Grund für Henrik nach München zu kommen um mit mir in den Ötztalern ein paar Gipfel zu sammeln. Der Wetterbericht war auch passabel, also konnte eigentlich nichts schief gehen. Aber eins nach dem andern...
Da Henrik und ich ja beide ohne Auto sind und wir für Freitag keinen motivierten Autofahrer auftreiben konnten, hieß es wieder öffentlich in die Berge zu fahren. Wenigstens haben wir eine Mitfahrgelegenheit nach Imst gefunden und die Anfahrt somit etwas verkürzen können. Auf der Busfahrt von Imst ins Ötztal dann der Schock: Ötztaler Radmarathon am So, den 30.08.09. Komplette Straßensperrung von 11-19h! Waaas?! Sonntag sollte doch unser Tag werden, der Tag an dem das beste Wetter vorhergesagt war, der Tag an dem auf jeden Fall ein Gipfelgelingen sollte! Und dann das... Um 19h brauch ich mich in Vent erst gar nicht in den Bus zu setzen, da ich an dem Tag eh nicht mehr nach München zurückkomme. Heißt im Klartext: Der Sonntag ist gelaufen und wir können vor 11h mit dem Bus wieder zurück Richtung Heimat fahren.
Naja, wenigstens war erst Freitag und die Sonne schien. Also das beste draus machen und hoffen, dass das Wetter am Samstag passt und doch was geht. So sind wir dann gegen 13h in Vent angekommen um von dort auf die Vernagthütte (2755m) aufzusteigen. Als Gipfelziele hatten wir uns den Fluchtkogel und die Hochvernagtspitze ausgesucht, zwei wenig schwere (PD, peu difficile) Hochtourengipfel. Was wir dazu brauchten war schönes Wetter am Samstag um beide Gipfel an einem Tag zu schaffen. Der Wetterbericht hatte für Samstag Vormittag schlechtes Wetter vorhergesagt, es sollte aber gegen Mittag rasch besser werden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und so sind wir voller Hoffnung gegen 22h ins Bett gegangen.
Leider wurden die schon am frühen morgen zunichte gemacht, als wir den Regen auf das Dach der Hütte prasseln hörten. Scheiße! Der einzige Tag an dem Gipfel möglich waren und dann das. Aber es sollte ja besser werden und so sind wir gegen 10h, als der stärkste Regen vorbei war in Regenjacken gekleidet zum Fluchtkogel gestartet. Der Weg war Problemlos zu finden und nach ca. einer 3/4 Stunde haben wir den Gletscher erreicht, wo dann anseilen angesagt war. Der Himmel zeigte sich immer noch wolkenverhangen aber ab und zu konnte man durch eine Wolkenlücke das Tagesziel erkennen. Über den schon recht ausgeaperten Gletscher ging es erst flach, dann etwas steiler bergan, wobei alle Spalten gut zu erkennen waren und gut umgangen werden konnten. Auf 3300m Höhe erreichten wir das Guslarjoch. Hier hattten wir leider nur noch Sichtweiten um 100m und ein starker Wind aus Westen bließ uns um die Ohren. Von hier war es dann nicht mehr weit zum Gipfel, den wir mit Hilfe von Kompass und Karte erreichten. Nur einen kurzen 30 Grad steilen Hang ansteigen und schon ist man am breiten Gipfelgrat und kurz danach am Gipfel (3497m). Eigentlich ist der Fluchtkogel ein herrlicher Aussichtsgipfel, aber an diesem Tag konnten wir nicht mal annähernd einen anderen Gipfel erkennen. So hat sich die Freude den Gipfel zu erreichen mit der Entäuschung über das Wetter gemischt. Aber noch hatten wir Hoffnung, denn es war jetzt 13.30h und der Wetterbericht versprach ja ab Mittag eine Besserung. Wir wollten dann spontan entscheiden ob wir die Hochvernagtspitze noch machen oder nicht. Wir stiegen vom Gipfel in Nordöstlicher Richtung über einen felsigen Grat zum Gepatschjoch ab,, von wo aus man dann weiter zur Hochvernagtspitze gehen kann. Leider war es am Joch angekommen noch genauso bewölkt wie vorher und so entschlossen wir uns direkt zur Hütte abzusteigen, da wir keine Lust auf einen weiteren Gipfel in einer Wolkenwand hatten und es ohnehin schon recht spät geworden war. So machten wir uns einen gemütlichen Abend auf der Hütte um am nächsten morgen in aller früh um 5.30h aufzustehen und ins Tal abzusteigen (bei schönstem Wetter übrigens). Auf grund der guten Verbindungen waren wir schon um 10h in Innsbruck und um 12h im Karwendel, wo Henrik ausgestiegen ist um die nächsten Tage noch die ein oder andere Tour zu machen.
Insgesamt bin ich froh das wir die Tour gemacht haben wobei schon viel Pech dabei war. Das gerade an diesem Sonntag im Jahr der Radmarathon stattfindet und ausgerechnet der Samstag der verregnete Tag war, war schon sehr unglücklich. Aber trotzdem haben wir wieder an Erfahrung gewonnen und einen weiteren Gipfel im Tourenbuch stehen.


Montag, 24. August 2009

Kreuzwandspitze Südwand "MaMa-Kante" (5+)

Nach nur 2 Wochen ging es am vergangenen Sonntag schon wieder ins Dammkar um eine andere Route an der Kreuzwandspitze zu versuchen. Diesmal waren wir in zwei 2er-Seilschaften unterwegs: Jonas und Ursel gingen die "Luftige Kante" und Frank und ich die "MaMa-Kante". Im Gegensatz zum vorletzten Wochenende war diesmal bestes Wetter angesagt und wir konnten ohne Zeitdruck in die Tour einsteigen. Der Zustieg von knapp 2 Stunden und ca. 900 Hm hat es schon ganz gut in sich, sodass man nicht mehr ganz frisch in die Route einsteigt. Es war aber volle Konzentration gefragt, da der Schwierigkleitsgrad 5+ für mich so ziemlich die Grenze in alpinem Gelände darstellt und ein Sturz hier immer mehr als schmerzhaft ausgehen dürfte. Zum Glück waren die Schlüsselstellen gut abgesichert, sodass ich nur wenige Keile zur zusätzlichen Absicherung legen musste. Da wir überschlagend (also abwechselnd vorsteigend) geklettert sind kamen wir gut voran und haben die 12 Seillängen ohne größere Probleme hinter uns gebracht. So war der Genuß ganz auf unserer Seite und am Gipfel angekommen waren Frank und ich schon ein wenig Stolz auf unsere Leistung! Da noch immer die Sonne schien warteten wir am Gipfel noch auf Jonas und Ursel die ca 15 Minuten nach uns den höchsten Punkt der Kreuzwandspitze (2130m) erreichten. Es folgte der unangenehme Abstieg über Schrofen und Geröll um dann gegen 18h an der Dammkarhütte und nach einer weiteren Stunde wieder am Auto zu sein.
Heute, einen Tag nach der Tour bin ich immer noch glücklich, diese schöne Route einwandfrei gemeistert zu haben und freue mich schon auf die nächste alpine Kletterei. Mal schauen wann der sechste Grad auch im alpinen Gelände fällig ist.... Hier die Fotos:


Sonntag, 16. August 2009

Watzmann Überschreitung

Schon vor über einem Monat haben Sarah, Andi, Peti und ich den Watzmann als Bergziel geplant. Kurzerhand haben wir uns dann sogar für die Überschreitung entschieden, für die man schon gut Kondition und ein gutes Stück Schwindelfreiheit mitbringen muss. Da meine Vorbereitung am Tag zuvor auf unserem Betriebsfest nicht gerade optimal verlief, hatte ich beim Aufstieg zum Watzmannhaus ordentlich mit Hitze und Restalkohol zu kämpfen... Trotzdem kamen wir vier gut voran und haben nach 3,5 Stunden das Tagesziel erreicht. Ziemlich kaputt und wegen des straffen Programms des nächsten Tages haben wir uns schon um 22h schlafen gelegt um bereits um 5h in der Morgendämmerung aufzustehen. Gefühlt hab ich mich als hätte ich eine Woche nicht geschlafen und ich wusste schon kurz nach Aufbruch um 6h das es ein sehr langer Tag werden würde. Zum Glück hatten wir bestes Wetter und somit genügend Zeit um diese lange Tour ohne Zeitdruck hinter uns zu bringen. Das erste Ziel war das Watzmann Hocheck, der erste von drei Gipfeln des Watzmanns. Schon auf dem Weg hierhin geht es teilweise steil und ausgesetzt nach oben. Auch wenn die steilsten Stellen mit Drahtseilen versichert sind,ist der Watzmann nicht unbedingt eine Tour für Bergneulinge. Ab dem Hocheck wird es aber erst richtig interessant, da man sich von da an auf dem Grat bewegt und es teilweise steil in die Ost- und Westwand hinab geht. Aber auch hier sind die schwierigsten Stellen Drahtseilversichert und wer unsicher ist kann sich per Klettersteigset sichern. Um ca 10h waren wir dann am höchsten Punkt, der Mittelspitze (2713m) angelangt. Die Aussicht von dort oben ist gigantisch. Zur linken sieht man den Königssee und weiter südlich erkennt man die gletscherbedeckten Berge der Hohen Tauern. Leider musste Peti kurz vorher umkehren, da sie sich auf dem Grat nicht so wohl gefühlt hat und nichts unnötig riskieren wollte. Das bedeutete auch für Andi die Umkehr, da er seine Freundin schlecht alleine umklehren lassen konnte. So sind Sarah und ich dann alleine weiter Richtung Südspitze (2712m), dem letzten Gipfel des Watzmanns. Kurz nach 12h waren wir dort angelangt und haben nach einer ausgiebigen Stärkung den Abstieg Richtung Süden angetreten. Auch hier heisst es ständig wachsam sein, da ein Fehltritt böse enden könnte. Gerade nach 6-7h Gehzeit fällt das nicht immer leicht. Jedenfalls waren wir froh nach dem steilen Abstieg wieder in flacherem Gelände zu sein und mehr oder weniger gemütlich Richtung Auto zu Gehen. Aber noch lagen ca 2,5 Stunden vor uns. Nach einer Spezi an der Wimbachgrieshütte machten wir auf die letzte Etappe um dann 12 Stunden nach Aufbruch wieder am Auto zu sein. Lange haben meine Füße nicht mehr so geschmerzt und jeder Schritt auf den letzten Kilometern wurde zur Überwindung! Am Auto haben Peti und Andi schon auf uns gewartet und so konnten wir nach einer kurzen Erfrischung im Wimbach uns schnell wieder auf den Heimweg machen. Insgesamt war es eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Tour, die mir an diesem Wochenende aber einiges abverlangt hat!
Hier die Fotos:


Sonntag, 9. August 2009

Kreuzwandspitze Südwand "Joe Muff" (4+)

Am Samstag sind wir zu fünft Richtung Dammkar bei Mittenwald aufgebrochen um mal wieder etwas alpine Kletterluft zu schnuppern. Mit dabei waren Judith und Marius, die sich an der "Luftige Kante" versuchen wollten, sowie Fabian, Chris und ich um die "Joe Muff" zu klettern. Schon um 7h haben wir uns zur Abfahrt in München getroffen, da nachmittags Gewitter vorhergesagt waren. Trotzdem standen wir nach ca 2 Stunden Zustieg erst um 12h am Einstieg der Route. Nun hieß es Gas geben um nicht noch ins Gewitter zu kommen. Für Fabian war es die erste Mehrseillängenroute, in der es hieß sich erstmal mit dem alpinen Klettern vertraut zu machen. Deswegen ist Chris alle Längen vorgestiegen und ich hab Fabian im Nachstieg einiges erklärt. Die Route ist nicht zu schwer und deswegen optimal zum Einstieg. Die ersten Seillängen kamen wir gut vorran, bis wir uns in der fünften Seillänge verstiegen haben und in die Nachbarroute (Südostkamin) queren mussten. Da der Himmel inzwischen komplett bewölkt war kamen bei mir erste Sorgen auf, ob wir es rechtzeitig vor Beginn des Gewitters schaffen würden den Gipfel zu erreichen. Kurz vor dem Gipfel haben wir dann das erste Donnern gehört. Leider stand noch der Gipfelgrat vor uns um ins rettende Kar abzusteigen. Zum Glück blieb es trocken und erst kurz vor erreichen der Dammkarhütte haben wir die ersten Regentropfen abbekommen. Zu diesem Zeitpunkt waren Judith und Marius noch beim abseilen in der Route. Aber auch sie haben die Hütte zwar etwas nasser als wir aber auch unbeschadet erreicht. Bei einem kleinen Bier haben wir den Regen ausgesessen und sind nach einem langen Tag wieder gegen 19.30h am Auto gewesen.


Sonntag, 2. August 2009

Großvenediger

Da Jonas` Prüfungsphase endlich vorüber ist, hat es endlich mal zu einer gemeinsamen Tour gereicht. Nachdem der Wetterbericht auch grünes Licht gegeben hat, sind wir Samstag früh um 7.30h gestartet, um den Blechlawinen am bayerischen Ferienbeginn zu entgehen. Dritte im Bunde war Birgit, die Freundin von Jonas. Gegen 10h waren wir am Ausgangspunkt, dem Matreier Tauernhaus angekommen, von wo aus uns noch 1270Hm Aufstieg zur Neuen Prager Hütte bevorstanden. Bei strahlendem Sonnenschein führte uns der Weg durch das wunderschöne Gschlößtal, das laut Führer schon mehrfach als der schönste Talschluss der Alpen bezeichnet wurde. Das Gehen war währenddessen verdammt anstrengend und wir konnten in der sengenden Hitze gar nicht so viel trinken, wie wir geschwitzt haben. Nachdem ich nun schon drei Wochen nicht mehr in den Bergen unterwegs war, hatte die Form schon merklich nachgelassen. Der schwere Rucksack tat sein Übriges. Birgit dagegen schien spielend leicht den Berg hochzurennen und ich fragte mich woher sie die Kraft dafür nahm. Eine wirklich starke Leistung! Nach gut 4,5 Stunden waren wir dann an der Neuen Prager Hütte angekommen und konnten uns noch einen Platz im Matratzenlager der ausgebuchten Hütte sichern. Nach viel Flüssigkeitsaufnahme und einem üppigen Teller Spaghetti lagen wir bereits um 21 Uhr müde, aber voller Vorfreude auf den Gipfel, im Lager.
Nach einer sehr schlechten Nacht voller Schnarchgeräusche klingelte um 4.30h der Wecker. Schnell haben wir das magere Frühstück mit drei Scheiben trockenem Brot verdrückt und sind pünktlich um 5.30h von der Hütte aufgebrochen. Drei Seilschaften waren bereits vor uns gestartet und es war keine große Schwierigkeit, die breit ausgetretene Spur auf diesen sehr beliebten Gipfel zu finden. Nach ca. einer halben Stunde haben wir uns angeseilt und haben uns an die Fersen der vor uns Gestarteten geheftet. Das Gehen war nicht so schwierig wie gedacht, da die Spur fest war und so konnten wir uns bei Sonnenaufgang relativ schnell auf dem flach ansteigenden Gletscher nach oben arbeiten. Die technischen Schwierigkeiten lagen bei Null, allerdings mussten wir schon ein paar größere, respekteinflößende Spalten umgehen, bzw. kleinere überspringen.
Drei Stunden nach dem Start waren wir am Gipfelgrat angelangt, wo sich schon unglaublich viele andere Seilschaften versammelten die über die anderen der vier (!) auf den Großvenediger (3666m) führenden Normalwege angestiegen waren. Allen voran eine riesige Gruppe von ungefähr 30 Slowenen! Das war schon nicht mehr lustig als dann insgesamt bestimmt 60 Menschen auf dem Gipfelplateau versammelt waren! Deswegen haben wir uns auch gar nicht lange aufgehalten und sind nach ein paar Fotos uns einigen Schlücken Wasser wieder abgestiegen. Da auch heute das Wetter perfekt war und die Sonne den Schnee bereits aufgeweicht hatte, konnten wir zügig absteigen und nach nur 1,5 Stunden als erste Seilschaft wieder die Hütte erreichen. Nach einer kleinen Stärkung ging es gleich weiter Richtung Tal und nachdem die Füße immer stärker anfingen zu schmerzen waren wir alle drei froh wieder am Auto zu sein, auch weil gerade in diesem Moment die ersten Regentropfen fielen.
Insgesamt war es eine wunderschöne Tour, die gerade für Hochtoureneinsteiger zu empfehlen ist, auch wenn die Menschenmassen am Gipfel das Gesamtbild etwas trüben. Jonas, Birgit und ich freuen uns jedenfalls jetzt schon auf die nächste gemeinsame Hochtour!