Da Henrik und ich ja beide ohne Auto sind und wir für Freitag keinen motivierten Autofahrer auftreiben konnten, hieß es wieder öffentlich in die Berge zu fahren. Wenigstens haben wir eine Mitfahrgelegenheit nach Imst gefunden und die Anfahrt somit etwas verkürzen können. Auf der Busfahrt von Imst ins Ötztal dann der Schock: Ötztaler Radmarathon am So, den 30.08.09. Komplette Straßensperrung von 11-19h! Waaas?! Sonntag sollte doch unser Tag werden, der Tag an dem das beste Wetter vorhergesagt war, der Tag an dem auf jeden Fall ein Gipfelgelingen sollte! Und dann das... Um 19h brauch ich mich in Vent erst gar nicht in den Bus zu setzen, da ich an dem Tag eh nicht mehr nach München zurückkomme. Heißt im Klartext: Der Sonntag ist gelaufen und wir können vor 11h mit dem Bus wieder zurück Richtung Heimat fahren.
Naja, wenigstens war erst Freitag und die Sonne schien. Also das beste draus machen und hoffen, dass das Wetter am Samstag passt und doch was geht. So sind wir dann gegen 13h in Vent angekommen um von dort auf die Vernagthütte (2755m) aufzusteigen. Als Gipfelziele hatten wir uns den Fluchtkogel und die Hochvernagtspitze ausgesucht, zwei wenig schwere (PD, peu difficile) Hochtourengipfel. Was wir dazu brauchten war schönes Wetter am Samstag um beide Gipfel an einem Tag zu schaffen. Der Wetterbericht hatte für Samstag Vormittag schlechtes Wetter vorhergesagt, es sollte aber gegen Mittag rasch besser werden. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und so sind wir voller Hoffnung gegen 22h ins Bett gegangen.
Leider wurden die schon am frühen morgen zunichte gemacht, als wir den Regen auf das Dach der Hütte prasseln hörten. Scheiße! Der einzige Tag an dem Gipfel möglich waren und dann das. Aber es sollte ja besser werden und so sind wir gegen 10h, als der stärkste Regen vorbei war in Regenjacken gekleidet zum Fluchtkogel gestartet. Der Weg war Problemlos zu finden und nach ca. einer 3/4 Stunde haben wir den Gletscher erreicht, wo dann anseilen angesagt war. Der Himmel zeigte sich immer noch wolkenverhangen aber ab und zu konnte man durch eine Wolkenlücke das Tagesziel erkennen. Über den schon recht ausgeaperten Gletscher ging es erst flach, dann etwas steiler bergan, wobei alle Spalten gut zu erkennen waren und gut umgangen werden konnten. Auf 3300m Höhe erreichten wir das Guslarjoch. Hier hattten wir leider nur noch Sichtweiten um 100m und ein starker Wind aus Westen bließ uns um die Ohren. Von hier war es dann nicht mehr weit zum Gipfel, den wir mit Hilfe von Kompass und Karte erreichten. Nur einen kurzen 30 Grad steilen Hang ansteigen und schon ist man am breiten Gipfelgrat und kurz danach am Gipfel (3497m). Eigentlich ist der Fluchtkogel ein herrlicher Aussichtsgipfel, aber an diesem Tag konnten wir nicht mal annähernd einen anderen Gipfel erkennen. So hat sich die Freude den Gipfel zu erreichen mit der Entäuschung über das Wetter gemischt. Aber noch hatten wir Hoffnung, denn es war jetzt 13.30h und der Wetterbericht versprach ja ab Mittag eine Besserung. Wir wollten dann spontan entscheiden ob wir die Hochvernagtspitze noch machen oder nicht. Wir stiegen vom Gipfel in Nordöstlicher Richtung über einen felsigen Grat zum Gepatschjoch ab,, von wo aus man dann weiter zur Hochvernagtspitze gehen kann. Leider war es am Joch angekommen noch genauso bewölkt wie vorher und so entschlossen wir uns direkt zur Hütte abzusteigen, da wir keine Lust auf einen weiteren Gipfel in einer Wolkenwand hatten und es ohnehin schon recht spät geworden war. So machten wir uns einen gemütlichen Abend auf der Hütte um am nächsten morgen in aller früh um 5.30h aufzustehen und ins Tal abzusteigen (bei schönstem Wetter übrigens). Auf grund der guten Verbindungen waren wir schon um 10h in Innsbruck und um 12h im Karwendel, wo Henrik ausgestiegen ist um die nächsten Tage noch die ein oder andere Tour zu machen.
Insgesamt bin ich froh das wir die Tour gemacht haben wobei schon viel Pech dabei war. Das gerade an diesem Sonntag im Jahr der Radmarathon stattfindet und ausgerechnet der Samstag der verregnete Tag war, war schon sehr unglücklich. Aber trotzdem haben wir wieder an Erfahrung gewonnen und einen weiteren Gipfel im Tourenbuch stehen.